Ist Ökostrom wirklich grüner Strom?

Zu unseren CO2-reduzierenden Maßnahmen werden unter Anderem der korrekte Ökostrombezug zählen. Das Angebot ist mittlerweile riesig. Jeder Stromkonzern bietet mindestens einen Ökostromtarif an. Aber ist denn jeder Ökostrom gleich Öko? Rein gesetzlich kann man diese Frage mit ja beantworten. Der Stromkunde bezahlt wirklich nur den Strom, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde. Leider stimmt das dann nur auf dem Papier. Denn die RECS-Zertifikate (Renewable Energy Certificate System) machen wieder alles zunichte. Diese erlauben es den Stromkonzernen echten Ökostrom aus dem Ausland einzukaufen und den schmutzigen Strom ins Ausland zu verkaufen. Dadurch wird keine Förderung der erneuerbaren Energien hervorgerufen. Glücklicherweise setzt das EEG (Erneuerbaren-Energien-Gesetz) fest, dass ein Bestimmter Anteil im Strommix des Kunden mindestens aus erneuerbaren Energiequellen stammen muss (2009 mussten es mindestens 16% sein). Darüber hinaus kann aber jeder Stromkonzern die gewonnene regenerative Energie auf die Ökostrom-Produkte ummünzen. Der Kunde, der Ökostrom bei Stromanbietern bezieht, die auch fossile oder atomare Kraftwerke betreiben, “klaut” dadurch einem anderen Stromkunden mit einem konventionellen Strommix den Anteil des Ökostroms, der über den Stromanteil des EEG hinausgeht. Denn die Unternehmen denken da wirtschaftlich und verkaufen lieber den überschüssigen Ökostrom an Kunden weiter, die auch gerne dafür mehr bezahlen.

Also gibt es nur eine Umverlagerung des vorhandenen Ökostroms. Das fördert keinen Ausbau der regenerativen Energiequellen. Wenn dem Kunden es aber wichtig ist, dass sich in den nächsten Jahren die erneuerbaren Energien entwickeln und eventuell Atom- oder Kohlekraftwerke abgestellt werden sollen, dann sollte der Kunde sich einen Stromkonzern aussuchen, der durch Auszeichnungen und Prüfsiegel nachweist, dass er (nur) in erneuerbare Energien investiert und diese Quellen ausbaut.

Man kommt leider nicht darum herum sich ein wenig mit seinem zukünftigen Stromversorger auseinander zu setzen. So gibt es eine Hand voll Prüfsiegel mit unterschiedlichen Kriterien. Diese Prüfsiegel oder Zertifikate werden nur verliehen, wenn nachgewiesen wird, dass der Ausbau im Gange ist. Hier sollte man allerdings auch wieder vorsichtig sein. Viele Siegel sind nur ein Deckmantel für schmutzigen Strom. TÜV Nord prüft nur nach hauseigenen Vorgaben. Das heißt, dass jeder Stromanbieter die Kriterien selbst bestimmt, die geprüft werden. Bei OK-Power ist es möglich, dass man RECS zertifizierten Strom bezieht, denn diese Zertifikate werden von dem Label nicht ausgeschlossen.

Wir von Carrotmob Köln orientieren uns da ganz klar an dem Grüner Strom Label, das unter anderen von BUND, NABU und Deutscher Naturschutzring unterstützt wird. Das Label schließt RECS-Zertifikate strikt aus. “Zentrales Kriterium der Zertifizierung ist, dass die Stromanbieter mit einem Teil der Kundengelder neue regenerative Anlagen fördern” (Link, Absatz 1, Zeile 2). Einige echte Ökostromanbieter setzen gar nicht auf Labels, da es keine wirklich passenden Standards gibt. So verzichten zum Beispiel Greenpeace Energy und EWS Schönau ganz bewusst auf solche Labels.

Auch ihr könnt den Stromanbieter sehr leicht und unkompliziert wechseln. Dadurch bewirkt ihr, dass die Nachfrage nach Ökostrom steigt und dadurch der Ausbau vorangetrieben wird. Es gibt genügend Seiten, auf denen Stromtarife von hunderten Stromanbietern aufgelistet sind und vergleichbar gemacht werden. Auf diesen Seiten können Antragsformulare sofort ausgefüllt oder beantragt werden. Stiftung Warentest empfiehlt beispielsweise den Stromanbietervergleich über Verivox mit der Bestnote. Ich empfehle nach einem netten Gespräch mit dem Lars von Naturstrom die Seite atomausstieg-selber-machen.de. Die Initiative wird u.a. von .ausgestrahlt, BUND, NABU, Greenpeace Deutschland, Campact!, Robin Wood, Urgewalt und WWF Deutschland getragen.

Somit könnt ihr auf schnelle und einfache Weise dafür sorgen, dass mehr regenerative Energien den Stromsee speisen und die konventionellen Kraftwerke allmählich vom Markt verdrängt werden.

______________________________________________________________

Wer mehr über Ökostrom erfahren möchte, wird bei NABU und bei Verivox ausreichende Informationen bekommen.

Die aktualisierten EcoTopTen-Marktübersichten zu Ökostrom findet ihr hier.

Hier findet ihr eine Studie über Ökostrom, von Greenpeace in Auftrag gegeben und eine Online-Umfrage von Stiftung Warentest über Stromanbieter.

Wenn ihr wissen wollt, wie ihr selbt den Atomausstieg bewirken könnt, schaut mal auf die Seite atomausstieg-selber-machen.de.

Flattr this!

3 Kommentare

  1. Klaus 14 April 2010 at 16:05 #

    die Änderungen sind klasse….viel besser kann man Ökostrom nicht zusammenfassen und empfehlen:)!!

  2. Peter 16 October 2011 at 19:05 #

    Zusätzliche Informationen gibt es auch noch auf http://www.oekostromanbieter.org/ . Die genannten Seiten sind aber auch sehr hilfreich. Danke!

  3. Theresa 11 January 2012 at 13:48 #

    Sehr guter und informativer Artikel. Ich bin selbst ein ‘Fan’ des Grünen Strom Labels und kann dieses allen empfehlen. Vor dem Wechsel sollte man sich wirklich etwas mit dem Thema auseinandersetzen, um wirklich sicher zu gehen, richtigen und nachhaltigen Ökostrom zu kaufen.

    Zu den vielen genanten Ressourcen möchte ich auch noch die Seite http://www.oekostromvergleich24.com anfügen.

    Danke für die Tolle Zusammenstellung!


Kommentar hinterlassen